Trends essen

Unser Konsumverhalten verändert sich ständig und bleibt in manchen Bereichen dennoch, unserer Persönlichkeit entsprechend, statisch. Aber kaum eine Branche ist einem so starken Wandel der Wünsche und Bedürfnisse der Konsumenten unterworfen wie die Gastronomie. Doch woher kommen die Veränderungen in den Speise- und Getränkekarten? Woher kommen beispielsweise die omnipräsenten frischen Tees aus Ingwer und Minze, die wir bis vor wenigen Jahren noch gar nicht kannten? Wieso kommt plötzlich die gute alte Borschtsch zurück in Berliner Restaurants und woher kommen Salate und Smoothies sogar in Fast-Food-Restaurants? Kann man diese Entwicklungen nachverfolgen und begründen? Diese Fragen werde ich im Folgenden und in meinen weiteren Artikel zum Thema aktuell beobachtbare gastronomische Entwicklungen versuchen zu beantworten.

Wie in allen Bereichen ist auch unser Ess- und Trinkverhalten definitiv von Trends, also Speisen und Getränken, die gerade angesagt sind, beeinflusst. Wenn nicht sogar gesteuert. Ein Trend in der allgemeinen Definition ist eine meist zeitlich begrenzte, durch Einflüsse von außen initiierte Verhaltensveränderung. Anschaulich bedeutet das, dass ich auch einen Tee aus frischer Minze trinken möchte, wenn mein Nachbar einen solchen vor sich stehen hat. Dass dieses Prinzip im wahren Leben tatsächlich funktioniert, kenne ich aus meiner Arbeit in einem Café selbst. Doch bei dieser, eben beschriebenen, kurzfristigen und räumlich begrenzten Entwicklung bleibt es nicht, denn die gerade „trendifizierte“ Person wird weitere Konsumenten anstecken, eventuell den Minz-Tee in anderen Cafés nachfragen und somit seine Verbreitung weiter vorantreiben – Denn wie wir bereits, wenn auch abstrahiert, aus Jean-Baptiste Says Werk „Traité d’economie politique“ aus dem Jahr 1803 wissen schafft sich jedes Angebot seine Nachfrage selbst, wenn es die Grundvoraussetzung, einer gewissen Zielgruppe einen Vorteil zu bieten, erfüllt. Nun ist es wie immer unmöglich die Zukunft vorauszusehen. Daher sollte es für Gastronomen darum gehen die grundsätzlichen Tendenzen im Kundenverhalten zu verstehen, um einen aufkommenden Trend sinnvoll zu adaptieren und diesen mit eigener Kreativität zu bedienen. Hierfür muss man wissen welche Bedürfnisse der Menschen hinter diesen Entwicklungen stecken.

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Eine der wichtigsten aktuellen Entwicklungen im Lebensmittelmarkt ist sicherlich die, dass wir wesentlich bewusster essen. Heißt, dass wir immer öfter nachdenken was wir genau essen und trinken – woher es kommt, unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde, welche Inhaltsstoffe genau enthalten sind und welche Auswirkungen diese auf unseren Körper haben. Wieso sonst sollten überall die Bio-Märkte und Bio-Siegel wie überdüngte Pilze aus dem Boden sprießen? Das Phänomen des  bewusst  Essens wird auch in der diesjährigen Néstle Studie zum Verbraucherverhalten zum Schwerpunkt gemacht. Diese erscheint sogar unter dem Titel „Das is(s)t Qualität“ – einfallsreiches Wortspiel. Die Verbraucher, die zu den sogenannten „Quality Eatern“ gehören, machen laut Nestlé momentan circa ein Viertel der deutschen Bevölkerung aus. Das Hauptaugenmerk dieser Bevölkerungsgruppe liegt dabei auf den Aspekten Gesundheit und Qualität.

Woher kommt nun dieses neue Bewusstsein? In beiden Fällen ist es zum Teil bestimmt auf die immer wieder auftauchenden Lebensmittelskandale zurückzuführen, die sich in unser Gedächtnis einbrennen. Wer möchte seinem Körper schon umetikettiertes, wochenaltes „Gammel“-Fleisch antun… Gerade diese kriminelle Energie im Zusammenhang mit unserem Essen, die bei solchen Fällen zum Vorschein kommt, hat einen Teil von uns in der Qualitäts- und Preisfrage sicher aufgeweckt und zum Nachdenken angeregt. Denn natürlich muss man für ehrlich hergestellte Lebensmittel einen weitaus höheren Preis als für Industrieprodukte bezahlen, aber dazu sind immer mehr Menschen bereit. Sie erhoffen sich davon auch einen Mehrwert für ihre eigene Gesundheit. Dass dieser Faktor tatsächlich immer wichtiger wird zeigen, im Hinblick auf Fettleibigkeit, die unverzichtbaren Light-Varianten von mittlerweile wirklich allen möglichen Produkten .

Es gibt noch viele weitere Facetten, die sich dem Trend des bewussteren Essens zuordnen lassen. In unser Bewusstsein bezüglich unseres Essverhaltens rücken erkennbar zum Beispiel auch moralische, ethische und gesellschaftliche Aspekte, die bis vor wenigen Jahren nur in Randgruppen ein Thema waren – Wieso wir zum Beispiel immer lieber Milch aus Brandenburg trinken oder New Yorker Imker ihren Honig auf Hochhausdächern produzieren werde ich in meinem nächsten, bald erscheinenden, Artikel beleuchten.

Quellen:

http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/saysches-theorem/saysches-theorem.htm

http://www.nestle.de/Unternehmen/Nestle-Studie/Nestle-Studie-2012/Documents/Executive_Summary_Studie_2012.pdf

http://www.dehoga-bundesverband.de/daten-fakten-trends/trends-und-rankings/

http://soziologie.soz.uni-linz.ac.at/sozthe/freitour/FreiTour-Wiki/Trendforschung.htm

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3 Kommentare zu “Trends essen

  1. Berry Straw (http://foodcrossing.org) 16. Januar 2013 um 13:18 Reply

    Essen wir wirklich bewusster? Es gibt viele Dinge, die dem widersprechen – auch, dass Nutzer ihren Ansichten verhältnismäßig treu bleiben. Die folgende Statistik zeigt nur auszugsweise, dass sich in den Köpfen der Leute über die Jahre nicht so viel tut, wie gerne vermittelt wird – Bleibt zu bedenken, dass die Nestlé Deutschland AG selbst einen nicht zu verachtenden Marktanteil hat und deshalb vielleicht auch mit ihrer Studie erst Trends setzen will oder auch muss, um die Umsatzzahlen weiter antreiben zu können! Denn wer wird bei den „Ergebnissen“ der Studie nicht schwach, wenn in der Werbung mit dem Slogan geworben wird: „Machen Sie mal eine Pause!“?

    Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

    Mehr Infos zum Nutzerverhalten zu Bio-Produkten auch unter:
    http://foodcrossing.org/organic-food/umsatz-ohne-grenzen/
    +
    http://foodcrossing.org/organic-food/was-ist-bio/

  2. Jonas Meßing 17. Januar 2013 um 18:05 Reply

    Wenn es um tiefgreifende Veränderungen in den Köpfen der Menschen geht dann ist der von dir hier ausgewählte Zeitraum von vier Jahren mit Sicherheit viel zu kurz gegriffen. Ich hab mal einen Verweis zu einer aufschlussreicheren Statistik angehängt, der Fakten und keine Umfrage zu Grunde liegt. Diese Studie stammt zwar aus dem Jahr 2006 zeigt aber den hier relevanten und interessanten langfristigen Trend. So hat sich die ökologisch bewirtschaftete Fläche im Zeitraum von 1998 bis 2006 verdoppelt. Die ebenfalls konstant hohen jährlichen Wachstumsraten von damals 10-15 % lagen in den Jahren 2007-2011 bei durchschnittlich 8 %. Somit ist durchaus von einem Trend des bewusst Essens zu sprechen. Ganz unabhängig von einer unter Umständen befangenen Nestlé-Studie. Trotzdem danke für deine Anregung!

    http://www.boelw.de/biofrage_15.html

  3. Berry Straw (http://foodcrossing.org) 17. Januar 2013 um 23:33 Reply

    Über den Bund Ökologischer Lebensmittel haben auch wir in unserem Beitrag berichtet und die von dir genannten Zahlen stimmen natürlich. Aber was sagt die Verdopplung der ökologisch bewirtschaften Fläche darüber aus, ob wir wirklich bewusster essen? Die Vergrößerung von Nutzungsflächen wird vorwiegend von Unternehmen gesteuert – also von denen, die am Ende damit Geld erzielen – Denn ein größerer Marktanteil bedeutet auch höhere Umsätze.

    Dass das Angebot an Biologischen Erzeugnissen gestiegen ist, wurde nie bestritten – auch hier zeigt unser Artikel „Umsatz ohne Grenzen“ deutlich auf, dass es auch in den nächsten Jahren so weiter gehen wird, das bestreitet keiner – aber Umsatzsteigerungen an sich können auch darauf zurückzuführen sein, dass Produkte teurer werden. Hast Du Dir einmal die Preisstatistiken des von Dir zitierten Bunds Ökologischer Lebensmittel der letzten Jahre angesehen? Da findest Du über die Jahre auch immer einen Preisanstieg. Dieser macht sich dann auch im Umsatz bemerkbar. Denn nicht immer bedeutet ein Preisanstieg einen Umsatzrückgang – ganz im Gegenteil.

    Biologisch erzeugte Lebensmittel haben immer noch (gemessen am Gesamtumsatz der Lebensmittel) einen relativ kleinen Anteil – die Statistik (deren Link Ihr leider nicht mit übernommen habt, die aber auch in unserem Beitrag „Umsatz ohne Grenzen?“ zu finden ist) sollte nur einen gewissen Denkanstoß geben. Der gewählte Zeitraum von 5(!) Jahren beinhaltete Wirtschaftskrise, EHEC-Krise, Dioxinskandal und Reaktorkatastrophen und die Umfrage ist von der Dialego AG – einem Marktforschungsinstitut – durchgeführt worden. Warum also möchtest Du sie nicht als „Fakten“ in Betracht ziehen? Und wenn man die Leute dann fragt, ob sich ihr Nutzerverhalten geändert hat – und es sich in der Summe ergibt, dass es relativ gleich geblieben ist, sollte es dann nicht wenigstens zu denken geben?

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