nah gleich gut?

Manhattan mit seinen 1,6 Millionen Einwohnern auf gerade einmal einem Viertel der Fläche von München und den kilometerlangen, abgasproduzierenden  Staus ist nicht gerade ein tierfreundlicher Ort. Doch genau hier begann die Bewegung der städtischen Imkerei, die mittlerweile auch Deutschland erreicht hat. Das Ganze war anfangs eigentlich ein nachbarschaftliches Projekt zur Unterstützung des eigenen Gemüsebeets gedacht und entwickelte sich nur ungewollt zu einem Geschäftsmodell und einem globalen Phänomen.

Imkerei auf den Dächern Manhattans

Imkerei auf den Dächern Manhattans

Als die roof top-Imkerei bekannt wurde, war das Interesse und die Zahl der Kaufwünsche derart groß, dass immer mehr Leute anfingen auf ihren Dächer und in ihren Hinterhöfen Bienenvölker anzusiedeln und ihren besonders blumig schmeckenden New-York-Honig auf den Märkten in Manhattan für 10 bis 15$ zu verkaufen. Wenngleich es sich bei dem Erfolg diesen Phänomens vielleicht einfach um einen lokalpatriotischen Gag handelt so ist festzustellen, dass Produkte, die aus der Region in der man lebt kommen einer steigenden Beliebtheit ausgesetzt sind. So gaben in einer repräsentativen Umfrage der FORSA 60% der Menschen an beim Kauf von Lebensmitteln mehr auf die regionale Herkunft achten zu wollen und jeder Zweite kauft zumindest einmal im Jahr direkt bei einem Bauernhof ein. Solche Zahlen und das damit verbundene Kaufverhalten sind vermutlich auch der Grund dafür, dass in den Supermarktkühlregalen immer mehr Milchsorten mit Namen wie „Mark Brandenburg“ oder die „tagesfrisch entrahmte Milch“ von Hemme mit genauer Herkunftsangabe finden. Und somit sind wir direkt bei den Gründen für diese Entwicklung.

Die Konsumenten haben in ein Produkt von dem sie glauben zu wissen wo es herkommt ein wesentlich größeres Vertrauen. Das betrifft zum einen die Frische, da man den Eindruck bekommt das Erzeugnis stammt direkt vom 20 Kilometer entfernten Bauernhof und wurde somit wirklich erst am Vortag geerntet. Auch wenn dieses malerische Idealbild wohl eher selten zutrifft, so sind Kartoffeln, die aus einem benachbarten Landkreis kommen tendenziell frischer, als welche aus Rumänien. Der zweite Aspekt des Vertrauens sind die Herstellungsbedingungen. Wie ich bereits letzte Woche erörtert habe ist es vielen Menschen immer wichtiger, was sie genau essen und dabei auch unter welchen Bedingungen für Umwelt, Tiere und die eigene Gesundheit unser Essen produziert wird. In diesem Zusammenhang bin ich der Meinung, dass wir den deutschen Kontrollmechanismen mehr vertrauen als ausländischen und wenn „man weiß wo’s herkommt“ oder es denkt zu wissen bekommt man das Gefühl man könnte selbst hinfahren und sich und sein Gewissen beruhigen. So ist laut Branchenkennern der Nachweis über die Regionalität oft wichtiger als ein Bio-Siegel – Ein Bio-Apfel kann schließlich auch aus China stammen und dem vertrauen wir grundsätzlich anscheinend weniger.

Doch nicht nur Qualität und damit verbundenes Vertrauen sind entscheidend, sondern auch Aspekte der sozialen Verantwortung. In Zeiten wo sich immer mehr Menschen mit CO2-Emissionen und ihren Folgen auf das Klima beschäftigen und daher Hybrid-Autos fahren machen sich viele Menschen Gedanken, ob Obst und Gemüse wirklich einmal um den Globus fliegen müssen. Denn, wenn wir Steak von amerikanischen Großfarmen kaufen ist bevor das Fleisch verpackt und in den deutschen Supermarkt geschickt wurde, schon Futtermittel aus China dorthin transportiert worden und dieses Futtermittel wurde mit Dünger aus deutscher Produktion behandelt. Ein weiterer Aspekt ist möglicherweise die wachsende Skepsis gegenüber den oben genannten Großkonzernen und deren Praktiken. Unter diesen beiden Gesichtspunkten fühlt man sich doch besser, wenn man den ehrlichen Bauern um die Ecke unterstützt – Auch wenn die Lebensmittel circa 10 bis 15 Prozent mehr kosten.

Wie nutzt man diese Entwicklung jetzt am besten und einfachsten als Gastronom? Ein Weg sind natürlich die in Berlin oft zu sehenden Tafeln auf denen mit Kreide (übrigens ein weiterer Mini-Trend) geschriebene Schlagwörter regional, hausgemacht und frisch stehen. Wenn man auf diesen Trend setzt , nutzt man ihn denke ich am glaubwürdigsten und effektivsten, wenn man mithilfe von kurzen Geschichten zum Bauernhof oder Weingut auf der Karte einen persönlichen und anschaulichen Bezug herstellt. Das wäre für mich wirklich überzeugend. Denn das Wort „regional“ allein ist schnell gesagt oder geschrieben und seine Glaubwürdigkeit schwer nachzuprüfen.

Nächste Woche treffe ich mich für euch mit Ansgar Oberholz, Geschäftsführer des Kult-Cafés St. Oberholz am Rosenthaler Platz in Berlin. Dabei werde ich versuchen herauszufinden wie er zum Thema Trends und Veränderung im Allgemeinen steht und damit umgeht.

http://www.zeit.de/2010/21/WOS-Bienen

http://www.qualitaetssiegel.net/de/presse/pressemeldungen_im_archiv/der_neue_verbrauchertrend_regionalitaet_71355.shtml

http://www.experto.de/b2b/unternehmen/trends/regionalitaet-das-gute-liegt-so-nah.html

jonas meßing

Advertisements

Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

The Cash Race

WS::12::13 :: ProjektBlog :: Finanzierungsbausteine für Unternehmensgründungen

Motivation

we want you to follow this blog

von0aufhundert

Der erfolgreiche Entrepreneur

Grüner Kapitalismus

SOCIAL ENTREPRENEURSHIP VS. CAPITALISM

fair&share

This WordPress.com site is the cat’s pajamas

hwrblogging

Der Blog zur Gründungsvorlesung 1 an der HWR Berlin

%d Bloggern gefällt das: